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Es ist kurz vor Weihnachten. Familie Ginders lädt zum Treffen nach Tönsivorst, einer kleinen Stadt in Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam sitzen sie um den Tisch, essen, trinken und erzählen sich Geschichten aus den letzten Jahren. Dabei geraten Markus Ginders und David Bernhard von ihrer letzten Reise ins Schwärmen. Die spontane Radtour entlang der Donau, an der Küste des schwarzen Meers bis nach Istanbul. Ein unvergesslicher Trip. Es stellt sich (jetzt) die Frage: Wohin im nächsten Jahr? Südamerika? Mit dem Motorrad? Vielleicht doch wieder eine Tour mit dem Rad? Ideen über Ideen. Da kommt David auf die Baltic Sea Circle zu sprechen. „Baltic Was?“ steht die Frage im Raum. Die Baltic Sea Circle ist eine Wohltätigkeitsrallye, bei der man in 16 Tagen 10 Länder bereist. 7500 km quer durch Nordeuropa. Ohne Navi in einem mindestens 30 Jahre alten Auto. Richtig retro eben und genau nach Davids und Markus’ Geschmack. Dann die Enttäuschung: Trotz des beachtlichen Startgelds von EUR 750, das zu hundert Prozent einem wohltätigen Zweck zugute kommt, sind bereits alle 200 Teilnehmerplätze vergeben. Warteliste!



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Die Warteliste war nicht das einzige Problem. Markus studiert an der BOKU, Universität für Bodenkultur, in Wien. „Rallye fahren und Öko predigen? Entscheide dich“ stichelt Markus' Vater. Fieberhaft sucht er nach einer Lösung. Er informiert sich über Schadstoffemissionen. Über 10 Tonnen CO2 produziert ein durchschnittlicher EU Bürger jährlich. Kohlenstoffdioxid (CO2) wird überwiegend durch die Industrie und den Verkehr verursacht und zählt neben den Stickstoffoxiden, Schwefelmonoxid und den Schwermetallen zu den Schadstoffen die den größten Anteil an
der Luftverschmutzung haben. Was aber wenn sich das Reisen nicht vermeiden lässt?

Wieviel CO2 produzierst du? Hier gehts zum Rechner

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Während seiner Recherchen stösst Markus u.a. auf Seiten wie myclimate und Atmosfair. Diese gemeinnützigen Stiftungen ermöglichen es Privatpersonen, aber auch Unternehmen, ihren durch das Reisen, verursachten CO2 Ausstoß zu kompensieren. Anhand der zurückgelegten Kilometer und der Reiseart wird der Schadstoffwert ermittelt. Diesen Wert kann man durch eine entsprechende Spende ausgleichen, die wiederum in ein Klimaschutzprojekt investiert wird. Markus hat eine Möglichkeit gefunden, seinen ökologischen Fußabdruck zu verringern. Dabei ist ihm aufgefallen, wie viel Zeit er dafür aufwendet???. Noch länger dauert es, wenn man die Kilometerzahl der Route schätzen muss. Für viele ein K.O. Kriterium. Da kommt Markus eine Idee. Man könnte doch dafür die GPS Funktion des Smartphones nutzen. Die Kilometer werden automatisch ausgerechnet und in den Spendenbetrag umgewandelt. Per Knopfdruck wird die Zahlung durchgeführt. Sofort machen sich Markus und David an die Entwicklung der CO2mpensio App.

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Noch während der Umsetzungsphase konnten sie die Rallye Veranstalter und die Teilnehmer davon überzeugen die Funktion der App auch für Ihre Reise zu nutzen. Im nächsten Schritt suchten sie nach einem Klimaschutzprojekt und Partner. Durch das "Zentrum für globalen Wandel" der BOKU knüpften sie Kontakte zu Reforestation-Projekte weltweit. Diese Projekte nutzen Spendeneinnahmen um durch die Industrie gerodete Wälder wieder aufzuforsten. Bei PrimaKlima-weltweit e.V. kann man schon für 15 EUR 20 qm Waldfläche aufforsten und 1 Tonne CO2 kompensieren. Dieser Gedanke, den ökologischen Fußabdruck mit einem Baum zu verringern, gefiel den Beiden so gut, dass sie nicht nur Spenden für diese Projekte sammeln wollten. Sie hatten neben dem Launch der App nun noch eine Mission. In jedem Land das sie auf Ihrer Reise durchquerten wollten sie symbolisch ein Bäumchen pflanzen.

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Am 18.Juni 2016 startete Team Compensio in Hamburg/Deutschland. Von dort aus ging es, mit ein paar unvorhergesehenen Stopps im Rundkurs durch die baltischen Länder. In 10 Ländern und an 10 Orten haben sie einen Baum gepflanzt:

Hamburg/Deutschland – Sjealland Odde/Dänemark – Slusstors Västerbotten/Schweden – Samullsberg, Trams/Norwegen – Kuusamo, Pohjos Pohjanmea/Finnland – Petrzavodsk/Republik Karelien – Prienal, Kauno apskritis/Litauen – Riga/Lettland – Haanja, Vörumaa/Estland – Sternenschanzenpark Hamburg/Deutschland

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Der Tag beginnt früh für David und Markus. Bevor sie zu ihrem Roadtrip aufbrechen können, müssen sie noch ihre Pässe mit den Russland-Visa abholen. Bei der Fahrt durch die Hamburger Innenstadt kommt erste Vorfreude auf. Endlich ist es soweit. Nach so langer Vorbereitungszeit und der abwechlungsreichen aber anstrengenden Promotour für die App war der Tag X für sie gekommen. Knapp vor dem offiziellen Start, gegen 11.00 Uhr, erreichten sie den Fischmarkt. Dort warteten die Zuschauer. Applaudierten den Rallye Startern und ihren exotischen Liebhaber-Vehikeln. Freunde, Familie, Verwandte und Bekannte. Sie alle waren gekommen um sie zu verabschieden und sie auf ihre Reise zu schicken. Mit strahlenden Gesichtern und Aufregung im Bauch, reihten sie sich mit ihren schwarzen VW Passat in die Starterschlange ein. Kurz vor Mittag ging es los für die Nr. 188 – Team CO2mpension.

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Angepeilt war Kopenhagen als erstes Etappenziel. Dort wollten sich David und Markus mit Hans-Peter Motzfeldt-Grönländer, Wahldäne und Davids ehemaliger Handballkollege, auf ein oder auch gerne ein paar Bier treffen. Nach Kopenhagen sollten sie auch kommen. Nur nicht im eigenen Wagen. Eine halbe Stunde vor ihrem ersten Etappenstopp krachte es im Motorraum des „Kompensators“ –auf diesen Namen hatten sie den schwarzen Passat getauft – . „Wwwruuumm“, die Tachonadel drehte hoch bis zum Anschlag, der Wagen verlor an Fahrt, bis er endgültig zum stehen kam. Markus und David wühlten noch etwas planlos im Motorrauminnern, dann beschlossen sie den Pannendienst zu rufen. Während des Wartens gesellte sich Hans-Peter zu ihnen. Beruhigte mit seiner besonnen Art und wies den Pannendienst ein. Endlich in Kopenhagen angekommen und nach stundenlanger Hotelsuche, fielen die Beiden ins Bett

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Am Montag dann die Hiobsbotschaft. „Anschauen kann ich den erst am Dienstag“, meint der Service Mitarbeiter in der Werkstatt. Das benötigte Teil wäre ja auch nicht gleich verfügbar. Auf keinen Fall! Mit aller Leidenschaft schilderten sie ihre Mission. Redeten mit Händen und Füßen auf die Arbeiter ein. Bis, einige Telefonate und Stunden später, die neue Antriebswelle im Kompensator verbaut war. Nach einer heftigen Umarmung zum Dank ging es für die Reisenden wieder zurück auf die Straße. Anstatt jedoch auf direkter Linie Richtung Lofoten und dem ersten Treffpunk der Rallye zu fahren, machten sie noch einen Stopp in Sjalland Odde . Ein Umweg von knapp 100km der sich aber bezahlt machen sollte. Hans-Peter empfing sie mit offenen Armen und einer Grönland Flagge, seiner ursprünglichen Heimat, auf seinem Grundstück. Dort lud er sie auf ein Getränk und Gespräch ein. Heitere eineinhalb Stunden später stand ein Bäumchen in Hans-Peters Garten.

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Nach diesem kurzem Umweg und einer Nacht im Zelt neben einem Wasserflugzeuglandeplatz machten sich Team Compensio auf, die verlorene Zeit wieder einzuholen. Von Jonköping ging es mit – in anbetracht des Alters des Autos – rasanten 110 km/h vorbei an den idyllischen Wäldern und dem zweitgrößten See Schwedens, dem Vätternsee. Entlang der Strecke reihten sich die typischen roten Holzhäuschen, wie man sie von Ansichtskarten und aus Reiseführern kennt. Je nördlicher sie kamen, desto mehr veränderte sich die Landschaft, wurde schroffer und bildetete an der Küste die für diese Gegend bekannten Fjorde. Das Einzige das sich während den ganzen 1032km nicht änderte, war der Stand der Sonne. Gefährlich tief, immer im untergehen begriffen, aber nie endgültig verschwunden stand sie am Horizont. Gleißendes Licht flutete das Wageninnere und machte das Autofahren auch gegen 00:30 Uhr nur mit Sonnenbrille möglich. Es war Midsommar und es sollte noch lange nicht dunkel werden.

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Der Wecker riss David und Markus bereits um 06.30 Uhr aus dem Schlaf. Zuvor hatten sie nicht nur mit der andauernden Helligkeit, sondern auch mit einer Mückeninvasion zu kämpfen. Verschlafen, aber motiviert machten sie sich weiter auf den Weg auf die Insel Gimsoya. Dort sollten sie sich mit den restlichen Rallyeteilnehmern zu einer "Etappenparty" treffen. Vorher sollten sie aber noch Bekanntschaft mit Herrn Klas Jakobssen machen. Er servierte ihnen seinen ganzen Stolz das "Aircleaning Special Schnitzel" , erzählte von seiner Erfindung ein Luftreinigungssystem für Lagerhallen und lies die Beiden trotz Verständigungsprobleme ein Bäumchen neben seinem Restaurant pflanzen.

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Als sie die Grenze Norwegens passierten, traffen die Beiden zum ersten Mal auf andere Rallyeteilnehmertrafen die Beiden zum ersten Mal auf andere Rallyeteilnehmer. Zwei Jungs aus Heidenheim teilten Markus und Davids Schicksal. Ihr Auto musste auch in den Service. Eine gesprungene Frontscheibe musste gewechselt werden. An einer Tankstelle, nachdem sie den nördlichen Polarkreis kreuzten, begegneten sie zwei weiteren Teams. Sie waren ihrem Ziel, den Lofoten, zum Greifen nah. An den Seitenfenstern des schwarzen VWs zog die beeindruckende Wildnis Norwegens im rasanten Tempo vorbei. Lange Steppen mit einzelnen Nadelbaumwäldern säumten die Straßen, während die Sonne wie ein ständiger Begleiter über dem Dach des Wagens stand. Als sie am Hafen, von dem die Fähre Richtung Lofoten Inseln abging, ankamen, hatte sich die Landschaft in ein unwirkliches Panorama aus rauher Nordsee, aufragenden Gebirgskämen und majestätischer Fjorde verwandelt.

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Dank der Panne kurz vor Kopenhagen und dem Druck, rechtzeitig die Party zu erreichen, hatten die Jungs bisher nicht wirklich die Möglichkeit die Landschaft des Nordens zu genießen. Spätestens als sie, endlich wieder ausgeschlafen, in ihrem Zelt am feinsandigen Strand mit Blick auf das kristallklare Wasser aufwachten, wurden sie für alle bisherigen Strapazen belohnt. Nach einer Eisdusche und gestärkt ging es weiter in Richtung Tromso. Dort am Rande der zerklüfteten Gletscher der Lyngen Alpen, liegt der ständige Sitz
des arktischen Rats. Eine zwischenstaatliche Institution, die sich dem Klimaschutz und der Sicherheit der Region gewidmet hat

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Neben der Baummission stellten auch die Rallyeveranstalter die Teilnehmer immer wieder auf die Probe. Eine Aufgabe bestand darin eine Dose der schwedischen Delikatesse „Surströmming“ zu über 200km im Wagen zu transportieren. Geöffnet. Es stank erbärmlich in der Innenkabine, denn Surströmming ist nichts weiter über Monate in Salzlake fermentierter Hering. Nachdem sie sich die Punkte für die erfolgreich gemeisterte Challenge abgeholt hatten, fuhren sie entlang der atemberaubenden Fjorde mit schneebedeckten Bergen und endlosen Küstenstraßen. Am Abend liesen sie sich unweit der Lyngen Alpen an einem Gebirgsfluss nieder. Umringt von saftig grünen Wiesen und kargen Nadelwäldern. Frei von Sorgen und von jeglicher Zivilisation entfernt, tranken sie ihr mitgebrachtes Bier an der Feuerstelle in einer atemberaubenden Bergkulisse.

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Am nächsten Morgen brachen Markus und David ihre Zelte, um in der nächsten Stadt auf die Suche nach WLAN zu gehen. Der Blog musste aktualisiert und Foto- als auch Videomaterial an Biorama geschickt werden. In einem Supermarkt mit integriertem Restaurant sollten sie fündig werden. Jedoch mussten die Beiden bald feststellen, dass die Uploadgeschwindigkeit hier anderen Maßstäben folgte. „Hey guys, is this your cool car outside?“ Markus und David blickten von ihren Laptopbildschirmen hoch in das lächelnde Gesicht einer jungen blonden Norwegerin. „Sure“ antworteten sie knapp, kamen aber bald darauf mit Jenny, so stellte sie sich ihnen vor, ins Reden. Sichtlich beeindruckt von den Geschichten und der Missionen, den Baltic Sea Circle Rallye Aufgaben und dem Baumpflanzen, lud sie die Jungs spontan zu sich nach Hause ein. Da gab es schnelleres Internet und ihr Pferd. Markus und David beglückwünschten sich insgeheim zu dieser Bekanntschaft. War doch einer ihrer Aufgaben der BSC das Abschleppen des Wagens per Pferdestärke.

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Jennys kleines Holzhaus lag idylisch in einem Tal , mit kleiner Pferdekoppel und Seeblick. Dort angekommen nahmen sie im gemütlichen Wohnzimmer der jungen Frau Platz, schmetterten, als ob es selbstverständlich wäre, norwegische Kinderlieder, begleitet von Jenny an der Gitarre. Nachdem sie die Gastfreundschaft eine Weile genossen haben, es gab noch eine Jodeleinlage und norwegischen „Brown Cheese“ mit Marmelade, machten sie sich daran den dritten Baum zu pflanzen um anschliessend den VW mit dem gigantischen Lyngen Horse abzuschleppen. Zum Schluss tauschten sie Umarmungen sowie Kontaktdaten aus und brachen zu ihrem nächsten Ziel, dem Nordkap auf.

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Den Weg dort hin widmeten sie sich ganz dem Naturschauspiel der sich ständig wechselnden Landschaft. Sie nutzten die aufgeholte Zeit, erklommen einen Gletscher, näherten sich einem Rentierpaar bis auf wenige Meter und schlossen Freundschaft mit einem Fuchs. Ein Fischadler zog seine Kreise in der märchenhaften Bergkulisse während die Zwei durch die Landschaft streiften um Audio- und Videomaterial zu sammeln. Fast schon ernüchternd war dafür die Ankunft am nördlichsten Punkt Europas.

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Der große Globus, der die Stelle markierte, empfing sie um 01.00 Uhr früh bei minus sechs Grad, Wind und Nieselregen. Nach einem kurzen Fotostopp kämpften sie sich durch den dichten Nebel zu einer üppig grünen Wiese wo sie ihr Nachtlager aufschlugen.

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Für die nächste Etappe war eine Durchquerung Finnlands geplant. Nicht aber ohne dabei auch etwas von Russland gesehen zu haben – was sich als schwieriger gestaltete als angenommen, denn die Flüchtlingskrise hatte sich auch bis an die nördlichsten Grenzübergänge Europas ausgewirkt. Seit Monaten waren die Grenzen zwischen Finnland und Russland dicht. Doch noch eine Route gefunden, ging es für die Abenteurer in gerader Linie durch Nordfinnland. Gemeinsam mit Team Roadrunner, ebenfalls Rallye Teilnehmer, campierten sie bei einem filmreifen Sonnenuntergang, mit warmen Folienkartoffeln und prasselnden Lagerfeuer an den Ufern eines Sees, bevor sie am nächsten Morgen nach Russland überwechselten. Zuvor hielten sie an, um ein Bäumchen in Finnland Wäldern „auszuwildern“, denn abseits jeglicher Population, ließ sich so schnell kein Pate finden.

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Die Ausreise sollte unter den finnischen Grenzbeamten für Aufsehen sorgen, stand doch nicht jeden Tag ein 30 Jahre alter VW mit Buchsbaum am Dach zur Überfahrt bei der Kontrolle. Ein Kontrolleur lies es sich nicht nehmen und verewigte sich am Heck des Kompensators. Trotz Gerüchten über stundenlangen Wartezeiten sollten die Reisenden auch an der russischen Grenzkontrolle Glück haben. Entgegen dem Bild des mürrischen dreinblickenden russischen Grenzbeamten erwarteten sie zwei Beamtinnen die sich schnell von ihrer guten Laune anstecken ließen. Gemeinsam übersetzte man in gebrochenen Englisch die kyrillischen Formulare, was ,unter dem strengen Blick des Oberoffiziers immer wieder zu ungewollt komischen Situationen führte. Bevor man sie jedoch auf Rußlands Straßen entließ wurde nochmal alles ordentlich in Unordnung gebracht, abgeklopft und kritisch begutachtet. Obwohl der Dachverbau anfangs für reichlich Skepsis sorgte, durften die beiden den Kontrollpunkt passieren. Do svidaniya Finnland!

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Markus und David hatten schon einige Kilometer auf der von Schlaglöchern durchzogenen Bundesstraße zurückgelegt als sie in einem Dorf rasteten um nach dem Weg zu fragen. Ein ältere Dame stand am Zaun und lachte herzlich als Markus sich erkundigte wie man von hier nach St. Petersburg käme. Die Beiden hatten sich bei der Routenplanung reichlich verschätzt. 1000km sei es von dem Dorf bis in die russische Metropole, erklärtes sie ihnen. Nach dieser ernüchternden Antwort beschlossen sie, nach einer Nacht am Wegesrand im Wagen, das nahegelegene Petrozavodsk anzufahren. Die Hauptstadt der Republik Karelien liegt am zweitgrößten Binnensees Europas, dem Onegasee.

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Wie in den größeren Orten zuvor steuerten sie zuerst das Zentrum an. Um Geld zu besorgen und das Internet zu benutzen. Von den Bankangestellten erhielten sie den Tipp sich in einem Cafe nahe dem Hafen, mit dem beliebten Namen „Central“, niederzulassen. Dort göhnten sie sich ein Pelmeni –gefüllte Teigtaschen-, Soljanka-säuerlich-scharfer Eintopf- und eine Fischsuppe. Dazu tranken sie zuerst ein Bier, dann folgte das Nächste und schlussendlich waren es genug um die Beiden zu einem spontanen Bad im See zu animieren. Im Gespräch mit Ansässigen sollte diese Aktion nicht nur Gelächter sondern ernsthafte Besorgnis hervorrufen. Denn was die Schwimmer nicht wussten, war dass der Onega See schon seit Jahren schwer unter der Zellstoffindustrie zu leiden hat. Die rostbraune Brühe war stark mit Chemikalien kontaminiert. Auch Anna eine junge Russin die sie kennenlernte fand die Aktion der Jungs zum Brüllen. Eigentlich nur nach den Weg fragend, nahm sie sich den Ahnungslosen an, führte sie in einem Gespräch vertieft über die Promenade zu einen beliebten Sundowner Treffpunkt. Dort lernten sie zwei 17-jährige Moskauer kennen, die sich spontan der Gruppe anschlossen als es in das Cafe Kuhnya – ein Hipster Treffen wie man in aus der Berliner Szene kennt – auf ein paar Absacker ging.

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Das Schicksal meinte es gut mit Ihnen. Wie sich herausstellte war Anna die Direktorin eines auf Ökologie und Nachhaltigkeit ausgerichtetes Filmfestival in Petrosawodsk. Sie war sofort begeistert als sie von Markus und Davids App, der Rallye und der Baumpflanzmission hörte. Anna arrangierte noch am selben Abend ein Treffen mit einem ansässigen Journalisten für den nächsten Tag.
Nach einer feuchtfröhlichen Nacht wachten in ihrem Wagen auf. Gnadenlos brannte die Sonne auf das Autodach. Annas Bekannter, der Redakteur, erwischte die Jungs gerade als sie in einem nahegelegenen Lokal ihr Frühstück, in Form eines Tripple Cheeseburgers, zu sich nehmen wollten. Sergej, so hiess der Mann, lies es sich nach dem Gespräch nicht nehmen, die Beiden zu begleiten als Anna sie abholte um sie zum Standort für den nächsten Baum zu führen. Ein Urban Gardening Projekt hat vor kurzem in einem nahen Park eröffnet. Der perfekte Platz um einen Baum in seine neue Heimat zu entlassen.

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Pedrozavodsk sollte sie so aber noch nicht entlassen haben, kurz vor dem Abschied trafen weitere Freunde von Anna ein. Zuvor hatten sie ihr von einer Aufgabe der Rennleitung der BSC erzählt und so kam es das an einem sonnigen Nachmittag, am Ufer des Onegasees, ein russischer Geiger auf dem Dach eines schwarzen VW´s stand und den vorbeispazierenden Fußgängern ein Ständchen spielte.

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Irgendwann waren Anna und ihre Gefolgschaft weg und die Beiden entschieden sich den restlichen Tag ohne Schwimmen am Strand des Onegasees zu verbringen. Ohne zu ahnen, dass ihnen nach ihrem Strandgang noch eine böse Überraschung bevorstand. Als sie wieder zurück zum Parkplatz kamen, war der Kompensator weg. Gestohlen! Davon waren David und Markus überzeugt. Mit dieser Überzeugung und ohne jeglichen Sprachkenntnisse steuerten sie den nächsten Polizeiposten an. Dort vertröstete man sie. Man müsse auf jemanden mit Deutsch- bzw. Englischkenntnisse warten. Die Stunden verstrichen. Gegen 20.00 Uhr hatten sie endlich eine englischsprechende Person am Apparat. „Tomorrow“, hieß es da heute die zuständigen Stellen nicht mehr besetzt waren. Mit Badesachen und einer Kreditkarte, das einzige was sie aus dem Auto mitgenommen hatten, in der Hand mieteten sie sich ein akzeptables Zimmer im Hotel Petrozavodsk. Für umgerechnet 13 Euro gab es ein Doppelzimmer mit Dusche am Gang.

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Schon am nächsten Vormittag sollte das Rätsel um den verschwundenen VW gelöst sein. Abgeschleppt! Wegen eines bevorstehenden Fischfestes musste der Platz geräumt werden. Glücklich über die Nachricht aber leider ohne jegliche Nachweisdokumente und Fahrzeugpapiere blieb den Beiden wieder nichts anderes übrig, als die Hände in den Schoss zu legen und zu warten. Erlösung kam dann am Ende des Tages. Eine Unterschrift von oberster Stelle. Endlich durften sie zu ihrem Wagen und den darin befindlichen Unterlagen. Leider erst am nächsten Tag. Am nächsten Morgen dann wieder ein Rückschlag. Die Dokumente dürften aus dem Auto geholt werden aber den Wagen müsste man stehen lassen. Zu groß das Risiko, dass sich die Falschparker, ohne russischer Meldeadresse, ohne zu zahlen aus dem Staub machen. Noch ein Tag verschwendet. Dann endlich, am Ende ihrer Nerven, erhielten sie den Kompensator gegen Barzahlung zurück. Zu allem Überdruss war mittlerweile das Migrationsamt auf die Beiden aufmerksam geworden.

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Petrozavodsk wollte sie nicht gehen lassen. Zumindest noch nicht an diesem Tag. Der sich so gestaltete, dass sich Markus und David einem strengen Verhör unterziehen mussten. „Humor“ bewies das Migrationsamt noch am nächsten Tag. Da erhielten sie den Wagen zurück mit der Nachricht, dass es sich aller anscheinend nach um eine Charity Tour handelt, bei dem Bäume gepflanzt werden. Also Arbeit. Was heißt, dass das Touristenvisum keine Gültigkeit hat. Gegen eine Zahlung von 2.000 Rubel (ca. 26 Euro) pro Person, sollte die Sache sich schnell bereinigt haben und würde so keinen weiteren Aufenthalt nach sich ziehen. Keine Lust noch eine Minute länger unter der russischen Bürokratie zu leiden, wurde der Betrag überwiesen. Dankbar schenkten sie Nika, der Dolmetscherin, und den restlichen Beamten die letzten Reste aus ihrem deutschen Bierbestand, posierten vor dem Unglückswagen und machten sich auf, die verlorene Zeit wieder einzuholen.

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Bilder:
Tomas Sennett - SMOG OVER INDUSTRIAL HUMBOLDT BAY-EUREKA AREA
(public domain)
Unknown - Burkina Faso - Tolotama Reforestation (public domain)
Team CO2mpensio

Audio:
Team CO2mpensio

Video:
Team CO2mpensio

Text, Animation, Video- und Audioschnitt:
Susanne Posch

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